Ich fand einen anderen Punkt interessant. Denn die Kritik an so Dialogkonzepten wie von Buber war ja immer, dass sie das Unverstandene zu wenig würdigen. Ein gutes Beispiel ist die Pariser Debatte zwischen Gadamer (der ja ein hermeneutisches Dialogkonzept vertritt) und Derrida (der eben dieses dekonstruiert). Wenn man das Zitat oben zuspitzt könnte man sagen: es geht gar nicht um (absolutes) Verstehen (denn wer absolut versteht, hat absolute Macht über den Anderen und außerdem wird das Geheimnisvolle aufgelöst) und absolutes Erkennen, sondern um kreatives Missverstehen und um das produktive Verkennen. Entscheidend ist also nicht, dass ich völlig auf die Bewusstseinsinhalte des anderen zugreife (seine Gedanken lese), sondern dass wir auf eine Weise aneinander vorbeireden, die uns beide bereichert und positiv verändert. Ich glaube mit so einem Dialogkonzept könnte ich auch etwas anfangen.