Dietrich Bonhoeffer

Heute vor 68 Jahren starb Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg. Als einer der letzten NS-Gegner wurde er am Morgen des 09. April 1945 erhängt.

Im Gedanken an Bonhoeffer und den Weg den er gegangen ist, zitiere ich hier einen Abschnitt von Seite 68 aus dem Kapitel ›Haftbericht nach einem Jahr Tegel‹ in ›Widerstand und Ergebung‹:

»Gesamtbehandlung: Tonangebend sind diejenigen Schließer, die den Gefangenen gegenüber den übelsten Ton anschlagen. Der ganze Bau hallt von wüsten Schimpfworten ehrenrühriger Art, so daß auch ruhigere und gerechtere Schließer sich davon angeekelt fühlen; aber sie können sich kaum durchsetzen. Gefangene, die später freigesprochen werden, müssen sich hier während monatelanger Untersuchungs-Haft wie Verbrecher beschimpfen lassen und sind dem völlig wehrlos ausgeliefert, da das Beschwerderecht des Gefangenen rein theoretisch ist. Private Besitzverhältnisse, Zigaretten, Versprechungen für später spielen eine erhebliche Rolle. Der kleine Mann ohne Beziehungen etc. muß alles über sich ergehen lassen. Dieselben Leute, die sich an anderen Gefangenen austoben, begegnen mir mit kriecherischer Höflichkeit. Versuche, mit ihnen ein vernünftiges Wort über die Behandlung der anderen Gefangenen zu sprechen, scheitern daran, daß sie im Augenblick alles zugeben, aber eine Stunde später dieselben wie vorher sind. Ich darf nicht unterlassen zu sagen, daß auch eine Anzahl der Schließer ruhig, sachlich und nach Möglichkeit freundlich mit den Gefangenen umgehen; aber sie bleiben meist in untergeordneten Posten.«

Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Seite 68.

Abschließend zitiere ich das Gedicht ›Stationen auf dem Wege zur Freiheit‹, das er 1944 an seinen Freund Eberhard Bethge zum Geburtstag schrieb:

Zucht.

Ziehst du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem / Zucht der Sinne und deiner Seele, daß die Begierden / und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen. / Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen, / und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist. / Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht.

Tat.

Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen, / nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen, / nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit. / Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens / nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, / und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend umfangen.

Leiden.

Wunderbare Verwandlung. Die starken tätigen Hände / sind dir gebunden. Ohnmächtig einsam siehst du das Ende / deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte / still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden. / Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit, / dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.

Tod.

Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit, / Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern / unseres vergänglichen Leibes und unserer verblendeten Seele, / daß wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen mißgönnt ist. / Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden. / Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Seiten 208-209.

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