Begeisterung bremsen?

Die Frage nach der angemessenen Zeiteinteilung beim Umgang mit Computer und Internet beschäftigt uns regelmäßig. Tanja und Johnny schreiben in ihrem Buch „Netzgemüse“ auch an vielen Stellen über Freiheiten, Zeiten und Regeln, wie hier zum Thema Videospiele:

„Schule muss sein, na klar, aber Spiel doch auch! Und ausgerechnet an den Stellen, an denen die Kinder begeistert, wissbegierig und konzentriert selbst Entscheidungen treffen können und dabei den Umgang mit digitalen Medien und mit anderen Menschen erlernen können, investieren wir große Mühe, sie zu bremsen. Weil sie auf einen Bildschirm schauen statt auf die Seite eines Buches. Weil wir uns sorgen, dass unsere Kinder den Kontakt zur „echten Welt“ verlieren. Weil wir nach einem harten Schultag die elterliche Verpflichtung empfinden, für den körperlichen Ausgleich zu sorgen, den die Schule mit zwei Sportstunden pro Woche nicht bieten kann.“

Quelle: Tanja und Johnny Haeusler, Netzgemüse, Seite 214.

Aus unserer täglichen Erfahrung kann ich diese Beobachtung ganz und gar unterstreichen. Ähnlich wie im weiteren Verlauf des Kapitels kommt es bei uns in Alltag auch häufig zum Wunsch nach einem langen Schultag einfach mal alleine am Rechner zu sitzen und sich (alleine) mit dem zu beschäftigen mit dem man sich eben gerade beschäftigen möchte. Tief in unser Bewusstsein scheint immer noch die Annahme eingebrannt zu sein, dass körperlicher Ausgleich und die Beschäftigung mit Menschen oder etwas „realem“ viel wichtiger sei, als sich neuen Herausforderungen am Rechner zu stellen.

Mich interessiert wie ihr das handhabt: Welche Regeln gelten bei Euch im Umgang mit Computer und Internet? Gibt es zeitliche oder inhaltliche Einschränkungen? Wozu ermutigt ihr, und wovon ratet ihr ab?

Hier im Urlaub staune ich gerade darüber, mit welcher Ausdauer, Einfallsreichtum und Lernbegeisterung der Nachwuchs sich Keynote erschließt und seine Entdeckungen wortgewandt mit uns teilt.

2 Kommentare

  1. Ich bremse meine Tochter (8) nicht.
    Meist will sie einfach nur mal was spielen.
    Wenn ich es dann noch in eine kreative oder gar lernfördernde Richtung schubsen kann, bin ich zufrieden, aber das MUSS nicht sein.

    Die paar Mal, die sie sich derzeit an den Rechner setzt und spielt, ist das auch okay.

  2. Meine beiden Kinder (14 und fast 13) würden, wenn man sie ließe, von morgens früh bis abends spät vor dem Computer sitzen, daher müssen wir das schon ein bisschen bremsen. Mein Sohn begeistert sich sehr für das Computerspiel Minecraft, während meine Tochter am liebsten Sims 3 spielt. Mein Sohn verabredet sich allerdings auch per Skype mit seinen Freunden auf dem Minecraft-Server und sie zocken dann zusammen dort, manchmal die halbe Klasse. Und meine Tochter nutzt den PC auch zum Schreiben ihrer Geschichten oder erstellen von Präsentationen über Themen, die sie interessieren. Für mich ist es ein großer Unterschied, ob die Zeit am PC eher passiv, also mit konsumieren verbracht wird, oder ob die beiden sich kreativ betätigen, und sei es in einem Computerspiel.

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