Sinn und Zweck

»Die aus Syrien fliehen, sollen nun in den Kirchen Zuflucht finden. Das ist die bleibende Irritation der christlichen Botschaft: den Notleidenden helfen und das Gebot der Barmherzigkeit befolgen über Glaubensgrenzen hinweg. Der Papst weiß, dass sich etwas ändern muss. Darin besteht die Hitze seines Glaubens. Sie ist ansteckend, nicht nur für Christen. Warum?

Die großen Vorhersagen der Zukunft der Religion sind nicht eingetroffen: Gott ist nicht tot, die Welt hat sich nicht säkularisiert. Aber sie kehrt auch nicht einfach zu Gott zurück. In einer modernen Gesellschaft, die wenig Illusionen hat und ein unpathetisches Verhältnis zur eigenen Zukunft pflegt, die abgeklärt ist und aus Erfahrung an nicht mehr vieles glaubt, gibt es offenbar noch heiße Wünsche. Nach einem Sinn unseres Handelns, nach einem Zweck unseres Daseins. Die Religion gibt diesen Wünschen einen Namen und eine Richtung. Sie ist heute nicht mehr die einzige mögliche Antwort. Aber immer noch eine treibende Kraft.«

Evelyn Finger, Gott und die Welt – Die Zeit, No 52.

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