Ich bin dafür

In Baden-Württemberg wird ja gerade an einer Überarbeitung des Bildungsplans gearbeitet. Der Bildungsplan 2015 möchte dann die unterschiedlichen Lebensweisen der Menschen, die unsere Gesellschaft ausmachen, etwas mehr berücksichtigen, und sieht vor, dass auch in anderen Fächern als den naturwissenschaftlichen über „sexuelle Orientierung“ gesprochen werden soll. Und ja, ich finde das sehr gut. Ich wünsche mir nämlich, dass meine Kinder in einer Gesellschaft groß werden, die davon geprägt ist die Unterschiedlichkeit unserer Lebensweisen zu feiern, voneinander zu lernen und auf diese Weise – in der kreativen Spannung der Unterschiedlichkeiten – gelingendes Leben zu leben.

Kiss-In — gay kiss actionFoto: William Hamon (Creative Commons, BY-NC-ND), flickr.com

Irgendwann, es wird wohl so Anfang Dezember gewesen sein, erschienen die ersten Aufrufe in meiner Facebook-Timeline eine gewisse Petition zu unterzeichnen. Ehrlich gesagt hielt ich das zunächst für einen Witz – mein Blick fällt bei geteilten Links zuerst auf das Bild – und blendete es aus meiner Wahrnehmung aus. Kurz darauf wurde ich von einem Freund darauf angesprochen und sah mir die Petition an, ich konnte es kaum fassen, und es fällt mir bis heute noch schwer nachzuvollziehen was einen reitet eine solche Petition zu schreiben. Meine Hoffnung diese Petition würde sich einfach so im Sand verlaufen wurde kurz darauf erschüttert. In meinem Postfach landeten Mails mit dem Aufruf ebendiese Petition zu unterschreiben. Ich ärgerte mich. Dachte viel nach und las. Ab und an sprach ich mit jemandem darüber, konnte mich aber noch nicht dazu durchringen hier etwas dazu zu schreiben.

Ich finde diese Schwerpunktsetzung im Bildungsplan wichtig. Meiner Ansicht nach könnte ein positiver Umgang mit Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer (LSBTTIQ) sind, dadurch gefördert werden, wenn unsere unterschiedlichen Lebensweisen gleichberechtigt im schulischen Umfeld behandelt werden. Und ja, ich möchte, dass meine Kinder sich damit auseinander setzen (auch in diesem Umfeld). Mir ist es wichtig zu erkennen, dass wir nicht in einer heteronormen Gesellschaft leben, und dass die heterosexuelle Lebensweise nicht die einzig mögliche ist.

Wenn ich die Bestrebungen um die Schwerpunktsetzung im Bildungsplan richtig verstehe, dann geht es dabei um die Förderung von Toleranz und Akzeptanz. Dagegen wirkt die Petition genau umgekehrt. Auf Open-Petition sind die Änderungen der Petition einzusehen, und während die ersten Fassungen noch klarer als homophob bezeichnet werden können, ist die aktuelle Fassung einigermaßen mild. Der Kommentarbereich der Petition mit den Begründungen der Unterzeichnung spricht dagegen eine ganz andere Sprache. Hier wird statt Toleranz und Akzeptanz Hass gesät. Und das macht mich wütend. Diejenigen die die Petition aufgesetzt haben bezeichnen sich als Christen, viele der Unterzeichner ebenfalls, soweit ich jedoch Christsein verstehe, sind Achtung des Gegenübers, Liebe, Akzeptanz und Toleranz eher im Fokus dessen was Christen antreibt.

Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit noch etwas ausführlicher meine Gedanken dazu. Für heute bleibt mir die Bitte die Petition nicht zu unterzeichnen, und sich stattdessen viel lieber mit Menschen zu unterhalten die lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer sind, von ihnen zu lernen und ihnen unsere Solidarität auszudrücken.

6 Kommentare

  1. In einem anderen Blog dazu: Update: Links und Infos zur “Petition Ideologie des Regenbogens” | Karnele

  2. Hallo Daniel,
    deinen Artikel unterschreibe ich. Schon allein der Name der Petition ist zweifelhaft. „Ideologie des Regenbogens“? Wenn die Macher der Petition wirklich (Zitat aus der Petition) „ideologische Kampfbegriffe ablehnen“, dann sollten sie keine neuen einführen.

  3. Hallo Daniel,

    ich finde es schade, dass sich deiner Auffassung folgend der Heilige Geist dem Zeit-Geist unterwerfen muss. Dass aber Gabriel Stängle sogar aus der Autorenliste auf der Website zeit-geist.info (für die du dich mit verantwortlich zeichnest) gelöscht wird, finde ich einfach nur feige.

    Gruß
    Torsten

    • Hallo Torsten,

      Deine Aussage zu meiner Auffassung deutet für mich daraufhin, dass wir unterschiedliche theologische Ansätze praktizieren. Soweit ich es nach Jahren des Studiums beurteilen kann, ist mein Vorgehen Theologiegeschichtlich legitim, weshalb ich mich nicht in der Verantwortung sehe mich hier Dir gegenüber zu erklären.

      Zu Deinem anderen Punkt: Ja, ich habe Gabriel Stängle und Michael Dreher aus der Autorenliste der Seite zeit-geist.info gelöscht. Meiner Ansicht nach ist auch das legitim, da die Domain auf meinen Namen registriert ist, und alle Inhalte der Webseite auf meinem Server liegen. Wie Du an diesem Eintrag unschwer erkennen kannst sehe ich Homosexualität, Bisexualität und Transgender anders als Herr Stängle, und halte darüber hinaus sein Handeln in dieser Frage für falsch. Aus diesen Gründe möchte ich ihm und seinen Positionen in meinem Einflussbereich keinerlei Raum geben, und habe mich daher zur Löschung entschieden. Das hat meiner Meinung nach nichts mit Feigheit, sondern eher mit Konsequenz zu tun.

      / Daniel

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