Hi Daniel,

lange nichts mehr voneinander gehört und jetzt stoße ich bei Recherchen auf Deinen Blog. Das Thema interessiert mich gerade und ich denke, dass ich mir das Buch mal zulegen werde.

Ehrlich gesagt bin ich aber mit derArgumentation von Forbes arg unzufrieden. Sie erscheint mir ganz schön flach. Im Grunde ist es ja das, was alle liberalen Prediger mittlerweile wiederholen. Der Reihe nach sehe ich da in jedem Punkt (uneingestandene(?) Voraussetzungen).
(1) Meint Jesus mit seinem „neuen“ Gebot (die Literatur zu dem „neuen“ umfasst ja fast Bibliotheken) wirklich ein Stehenlassen im Sinne des aktuellen Toleranzbegriffes? Konsequent müsste man dann wieder Jesus gegen Paulus argumentieren, denn seine Stellen zur HS sprechen eine andere Sprache.
(2) Wer bin ich wirklich ist eine sehr gute Frage. Sie ist viel zu platt (und auch völlig unwissenschaftlich beantwortet, wenn man sagt „ich bin schwul/lesbisch“. Es ist ein gefährliches Denken, das uns auf unsere Orientierung beschränkt. Sexuelle Identität ist ein kompliziertes Konstrukt.
Aber selbst wenn man es macht, ist es immer noch die Tatsache, dass Nachfolge oft einschließt, gegen eine vermeinte Identität zu handeln. Es soll schließlich auch kein heterosexueller alle seine Wünsche nach wechselnden Geschlechtspartnern ausleben.
(3) Klingt natürlich super, ist aber ein großes Diskussionsthema. Ich vermute, dass der Rest des Buches die Beziehung zwischen HS und Christentum noch weiter behandelt, denn hier wird erst einmal ein Paradigma eingeführt, das absolut neu ist. So denken Christen seit maximal 20 Jahren.
Ich finde es immer gefährlich wenn eine Theologie wirklich neu ist und keine erkennbaren Anknüpfungspunkte an die Geschichte hat.

Auf jeden Fall ein spannendes Thema und ich stehe zwischen den Stühlen. Die wörtliche Auffassungen der konservativen passt nicht. Aber die Hermeneutik der progressiven ist mir sehr eisegetisch, wenn sie nicht schlicht die gesamte Bibel unter die Ansicht der sich verändernden Zeit stellt.