Homosexualität und Christsein (10)

Viel zu lange habe ich keinen neuen Eintrag mehr in dieser Serie veröffentlicht. Der April flog irgendwie an mir vorüber, und der Mai schien dasselbe vor zu haben. Heute jedoch ergab sich eine kurze Pause, die ich dazu nutzen möchte mal wieder ein paar Worte zu schreiben.

In dieser Serie schreibe ich über das Buch Homosexuality and Christian Faith von Walter Wink. Heute kommen wir im neunten Kapitel an, das unter der Überschrift Exploring the Morality of Homosexuality steht.

Zunächst einmal stellt Lewis B. Smedes die Frage nach dem Grund der Aufregung, die von Seiten heterosexueller Christen ihren homosexuellen Mitmenschen entgegen gebracht wird. Für ihn sind diese starken Emotionen und krassen Anfeindungen nicht nachvollziehbar.

»What we know is that homosexual men are murdered by heterosexual people just for being gay; what we also know is that there is no record of a heterosexual being murdered for not being gay. Why, then, I wonder, in a world of violence, starving children, cruel tyrannies, and natural disasters, are Christian people so steamed up about the harmless and often beneficent presence of gays and lesbians among us?«

Lewis B. Smedes, Exploring the Morality of Homosexuality. In Homosexuality and Christian Faith. Seite 83.

Seiner Ansicht nach ist die ablehnende Haltung einiger Christen gegenüber Homosexualität nicht mit der Bibel zu belegen. Zu diesem Thema hatten wir in dieser Serie ja bereits zwei ausführliche Einträge (Homosexualität und Christsein (5) und Homosexualität und Christsein (6)).

In den Texten des Neuen Testaments finden sich nach Ansicht von Smedes keine gesonderten Aussagen zu einem moralischen Leben von Homosexuellen. Wollen sie also ihr Leben gemäß der Idee Gottes gestalten können sie sich an denselben Aussagen orientieren wie ihre heterosexuellen Mitmenschen. Smedes betont in folgender Aussage die Gleichwürdigkeit aller Menschen vor Gott:

Thus it seems clear that gays and lesbians are no more responsible for being homosexual than I am for being heterosexual. And therefore God does not judge them for being homosexual any more than God rewards me for being heterosexual.

Seite 85.

Das Argument der Kritiker Homosexualität sei ›widernatürlich‹ kann seiner Ansicht nach nur auf die Frage der Fortpflanzung bezogen werden. Hier zeigt sich jedoch sehr schnell wie kultur- und zeitabhängig diese Annahme ist. Auch wenn dieses Verständnis vor einigen Jahrzehnten noch weit verbreitet gewesen ist, so muss doch festgehalten werden, dass Fortpflanzung wenn überhaupt, dann nur als Beiprodukt von Sex verstanden wird. Folgt man Smedes, dann findet hingegebene Liebe ihren Ausdruck in gelebter Sexualität.

»Most of us believe that human sex is natural when it expresses intimate, personal, and committed love. For moderns, producing children may be a serendipitous by-product, if desired, but not the teleological end of sexuality. What they do not always see clearly is that their new view of natural sex pulls the rug from under their most fervent moral judgment against homosexuality.«

Seite 86.

Er schließt sein Kapitel mit folgender Liste:

  • I think that gays and lesbians are not responsible for their sexual orientation toward loving people of their own gender.
  • I think that, as a class, homosexual people are as moral, as spiritual, as decent and good, as creative, and as much in need of the grace of God as heterosexual people are.
  • I think that there is a measure of tragedy in homosexuality and that gays and lesbians bear the burden of living as morally within their limits as the rest of us are called to live within the limits of whatever tragedy may be ours.
  • I think that gays and lesbians, like the rest of us, are called to achieve the best moral relationships of love that are possible for them within the limits of a condition they did not choose.
  • I think that gays and lesbians merit the same rights and bear the same responsibilities within society that anyone else does.
  • I think that, if celibacy is not possible, it is better for gays and lesbians to live together in committed monogamous relationships of love than not. Same-sex partnerships that are committed offer the best moral option available.

Quelle: Seite 87–88.

Zu seinem letzten Punkt möchte ich noch ergänzen, dass Smedes Ehelosigkeit als Gabe sieht, die einem Menschen zuteil wird oder eben nicht. Hat eine Person die Gabe der Ehelosigkeit nicht, ist es seiner Ansicht nach unvorstellbar den Verzicht auf gelebte Partnerschaft zu fordern.

An dieser Liste wird deutlich, dass es für Smedes keinen Unterschied macht ob eine Person homo- oder heterosexuell ist. Auf diese Weise stimmt er in die bisherigen Aussagen des Buches ein, und betont die Gleichwürdigkeit aller Menschen, und die damit verbundenen Herausforderungen eines gelingenden Lebens.

Alle Artikel in dieser Serie:

  1. Homosexualität und Christsein (1)
  2. Homosexualität und Christsein (2)
  3. Homosexualität und Christsein (3)
  4. Homosexualität und Christsein (4)
  5. Homosexualität und Christsein (5)
  6. Homosexualität und Christsein (6)
  7. Homosexualität und Christsein (7)
  8. Homosexualität und Christsein (8)
  9. Homosexualität und Christsein (9)
  10. Homosexualität und Christsein (10)
  11. Homosexualität und Christsein (11)
  12. Homosexualität und Christsein (12)

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