Geschlechtsidentität und Geist/Körper-Unterscheidung

Ich lese gerade ›Das Unbehagen der Geschlechter‹ von Judith Butler, um ihren Ansatz der Geschlechtsidentität und der relationalen Analyse besser zu verstehen. Neben vielen interessanten Gedanken stieß ich auf Seite 31 auf eine sehr interessante Beobachtung bezüglich des Zusammenhangs der Geist/Körper-Unterscheidung und der Geschlechter-Hierarchie:

»In der philosophischen Tradition, die mit Platon beginnt und sich mit Descartes, Husserl und Sartre fortsetzt, hat die ontologische Unterscheidung zwischen Seele (Bewusstsein, Geist) und Körper stets Beziehungen der politischen und psychischen Unterordnung und Hierarchie gestützt. Der Geist hat den Körper nicht nur unterworfen; bisweilen nährt er auch das Phantasma, seiner Verleiblichung insgesamt entfliehen zu können. Für die kulturelle Assoziation zwischen Geist-Männlichkeit und Körper-Weiblichkeit finden sich im Feld der Philosophie und des Feminismus zahlreiche Belege. Daher muss jede unkritische Reproduktion der Geist/Körper-Unterscheidung neu durchdacht werden: Sie hat traditionell und implizit die Geschlechter-Hierarchie produziert, aufrechterhalten und rational gerechtfertigt.«

Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Seite 31.

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