Verstehen als Grundlage

»Wir brauchen nicht noch eine drölfzigste Theorie darüber, wer warum anfällig für rechte Rhetorik ist. Sondern eine Praxis, die es ermöglicht, mit diesen Menschen sinnvolle politische Auseinandersetzungen zu führen.

  • Warum stellen wir uns die Gesellschaft so vor, wie wir es tun?
  • Warum ist es uns wichtig, Geschlechterklischees zu hinterfragen, auch bei alltäglichen Dingen?
  • Warum wollen wir Freiheitsrechte von Minderheiten schützen, selbst von solchen, die uns unsympathisch sind?
  • Warum glauben wir, dass Gerechtigkeit eine globale Perspektive braucht?
  • Warum achten wir auf vermeintliche Kleinigkeiten, wenn es um Rassismus geht?

Solche Sachen müssen wir erklären. Und zwar überall da, wo es möglich ist. Ich vermute, in Talkshows wird das eher schwierig sein, aber am Küchentisch geht es vielleicht. Oder im Büro. Oder auf dem Spielplatz.

[…]

Verstehen heißt nicht Verständnis zu haben. Und schon gar nicht heißt es zu entschuldigen. Ich kann sehr gut etwas verstehen und es genau deshalb ablehnen. Der Versuch, zu verstehen, ist kein Entgegenkommen, sondern eine Vorbedingung für jedes echte Gespräch: Wenn ich nicht verstehe, was der oder die andere will, werde ich ganz sicher keine Argumente finden, die ihn oder sie zum Nachdenken anregen. Wer das Gegenüber nicht verstehen will, braucht mit dem Reden gar nicht erst anzufangen.«

Antje Schrupp, Der Streit um die bessere Gesellschaft, zeit.de

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