„Die Ur-Indogermanen kannten in der Frühzeit nur zwei grammatische Geschlechter: Ein Genus commune, also eine Art Unisex-Form statt unseres Maskulinum und Femininum, und ein Neutrum. Sprachlich drückten sie also nicht den Gegensatz männlich/weiblich aus, sondern nur den zwischen Belebtem und Unbelebtem.
Die Mehrheit aller Forscher geht heute davon aus, dass sich das grammatische Femininum erst am Ende der gemeinsprachlichen Zeit entwickelt habe, kurz bevor das Proto-Indogermanische sich spätestens vor 4500 Jahren in verschiedene Sprachen aufzuspalten begann. Das Fehlen einer Männlich-Weiblich-Unterscheidung sollte aber nicht mit einer geschlechtergerechten Sprache verwechselt werden. Die Abwesenheit des Femininums war wohl eher Ausdruck der Geringschätzung der Frau: Die ur-indogermanische Kultur war von männlichen Anführern beherrscht, während ihre Vorgängerkultur in Europa als matriachalisch und egalitär gilt.“
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article156385212/Unsere-Urahnen-sprachen-gegendertes-Semitisch.html