Gendersternchen

Sprache schafft Wirklichkeit, heißt es. Da ich vom generischen Maskulinum wegkommen möchte, also nicht mit der männlichen Form eines Wortes alle „mitzumeinen“, verwendete ich in letzer Zeit das Gendergap. Immer wieder dachte ich darüber nach ob der Unterstrich eine gute Option ist. Im Missy Magazin las ich gestern von zwei kritischen Anmerkungen zum Gendergap, die Unsichtbarmachung des Gemeinten und die Rahmung mit der weiblichen und männlichen Wort­endung.

Genau hier hat das Gendersternchen also seinen Glanzmoment: Es füllt den Raum aus – und zwar mit unendlichen Möglichkeiten, etwa für uns Journalist*innen. Das ergibt sich aus dessen Bezug zur Informatik, wo das Sternchen als Platzhalter für jedes und beliebig viele Zeichen benutzt wird. So schafft das Gendersternchen eine Ansprache, in der cis und trans Männer und Frauen gleichermaßen gemeint sein können wie Personen, die sich jenseits der Geschlechterbinarität identifizieren.

Naira Estevez: Hä, was heißt denn Gendersternchen?

Die eben zitierte Ausführung von Naira Estevez leuchtet mir ein. Gerade der Bezug zum Sternchen als Platzhalter in der Informatik erscheint mir als wichtige Referenz. Mal sehen wie sich meine Texte lesen, wenn ich ab jetzt Gendersternchen statt Gendergap verwende.

Apropos Sprache und Gendersternchen: Der Anglizismus des Jahres 2018 ist das Wort Gendersternchen.

Während es in der geschrieben Sprache leichter ist explizit gendergerecht zu formulieren, spreche ich bisher noch meist im generischen Maskulinum. Hierzu wurde ich kürzlich auf den Artikel »Gendergap und Gendersternchen in der gesprochenen Sprache« von Anatol Stefanowitsch aufmerksam.

Das Sternchen und die Lücke wer­den in der Aussprache durch einen stimm­losen glot­tal­en Ver­schlus­slaut wiedergegeben – ein Laut, den wir pro­duzieren, indem wir die Stimm­lip­pen („Stimm­bän­der”) kurz voll­ständig schließen.

Anatol Stefanowitsch: Gendergap und Gendersternchen in der gesprochenen Sprache

Dieser Verschlusslaut steht im Deutschen am Anfang jedes Wortes, das scheinbar mit einem Vokal beginnt. Anatol Stefanowitsch führt als Beispiel »Eklat« an. Der Verschlusslaut wird dann hörbar, wenn ein unbestimmter Artikel vorausgeht. »Ein Eklat«, zwischen »ein« und »Eklat« entsteht eine kurze Pause. Dasselbe findet sich an der Silbengrenze innerhalb eines Wortes, beispielsweise im Wort »Verein«, bei dem eine kurze Pause zwischen »Ver« und »ein« hörbar ist. Bisher gab es im Zusammenhang mit Suffixen noch keine Absetzung durch den Verschlusslaut, was sich jedoch durch gendergerechte Sprache ändern könnte. Anatol Stefanowitsch betrachtet in eben zitiertem Artikel diese Thematik gründlich, falls Du mehr darüber erfahren möchtest, findest Du es bei ihm.

3 Reaktionen

  1. Danke für den Artikel.
    Ästhetisch finde ich Gendersternchen bzw. -gap sogar beim Sprechen angenehmer als geschrieben.
    Die Lesbarkeit in Texten und die Gestaltung zB von Flyern finde ich nicht einfach.

    • Danke für Deine Antwort Daniel.
      Inwiefern das Gendersternchen beim Lesen störend wirkt, hat wahrscheinlich viel mit Gewohnheit zu tun. Ich freue mich immer wenn ich einem Text begegne, dessen Autor*innen sich Gedanken um gendergerechte Sprache gemacht haben.

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