Eigener Antrieb

Die Annahme, den Klimawandel durch freie Konsumentscheidung aufzuhalten, erscheint mir als zu kurz gegriffen. In der aktuellen taz interviewt Jost Maurin den Agrarökonomen Sebastian Lakner, der vorschlägt durch eine Kennzeichnung der Lebensmittel entsprechend ihres Anteils an Emissionen die Konsumentscheidung zu beeinflussen:

»Man könnte Lebensmittel danach kennzeichnen, wie viel Treibhausgasemissionen sie verursachen. Fleisch und Milchprodukte wie Butter und Quark haben recht hohe Werte. Der Staat sollte für so eine Kennzeichnung und damit für Markttransparenz sorgen, dann können die Verbraucher selbst entscheiden.«

Meine Kritik an dieser freien Konsumentscheidung setzt dort an, wo wir bisher viele Entscheidungen treffen, die zu kognitiven Abwägungen im Widerspruch stehen. Es gibt Menschen, die auf Grund solcher Auszeichnungen andere Entscheidungen treffen, es gibt ja auch heute viele, die ihr Verhalten hinterfragen und schrittweise anpassen. Mir scheint jedoch der Anteil des veränderten Konsumverhaltens in einem Missverhältnis dazu zu stehen, wie deutlich sich unsere Lebensweise ändern müsste, um dem Klimawandel ernsthaft zu begegnen.

Wir wissen um die Auswirkungen unseres Verhaltens auf das Weltklima

Dennoch sehnen wir uns nach einem neuen Computer oder Smartphone, die entwickelt, produziert und transportiert werden müssen. Unsere Verwendung derselben macht immer größere Serverfarmen notwendig, die ihrerseits Unmengen von Energie verbrauchen. Die Auswirkungen der Tierhaltung auf das Weltklima ist uns bekannt, auf Milchprodukte, Fleisch und Wurst wollen viele von uns dennoch nicht verzichten. Nicht nur auf Grund der digitalen Transformation wurde die Welt zu einem Dorf, sondern auch auf Grund unserer Mobilität. Welchen Einfluss diese auf das Weltklima hat, entzieht sich unserer Kenntnis nicht. Und dennoch locken uns entlegene Flecken, steigen wir in Autos, Flugzeuge, Schiffe und ärgern uns wenn die Klimaanlage des Zuges mal wieder ausgefallen ist.

Den individuellen Konsumentscheidungen messe ich zwar einen gewissen Anteil an der notwendigen Veränderung bei, denke aber, dass wir gesamtgesellschaftliche Lösungsansätze brauchen, um eine Veränderung zu leben, die der Notwenigkeit entspricht.

Wie genau sich das Paket der notwendigen Veränderungen zusammensetzt kann ich schwer abschätzen. Veränderungen im Umgang mit Nahrungsmitteln und der Landwirtschaft werden Ihren Anteil daran haben – was ja nicht zuletzt im heute veröffentlichten Bericht des Weltklimarates deutlich wurde. Die viel besprochene Verkehrswende mit einem neuen Mix von Verkehrsmitteln wird ebenfalls einen Beitrag leisten. Ob diese am Besten durch Förderung von alternativen Antrieben, Fahrverbotszonen, einem veränderten Steuersatz auf Flug- und Bahnreisen und einer deutlichen Hinwendung des Öffentlichen Personennahverkehrs zu erziehlen ist, schwer zu sagen, wahrscheinlich wird von Allem etwas nötig sein.

Die Abwälzung der Verantwortung auf Bürger*innen jedoch halte ich für zu kurz gegriffen. Wir brauchen Veränderungen im System. Szenarien möglicher Zukünfte müssen entwickelt und besprochen werden, und mir scheint als sollten wir damit aufhören abzuwarten und vielmehr versuchen die Systemänderungen angehen, schrittweise, und als Gesellschaft immer wieder reflektieren welche positiven und negativen Aspekte dabei zu Tage treten und entsprechend Anpassungen vornehmen.

4 Reaktionen

Reagiere darauf

*