Gott und Beziehung

»Wir meinen, daß die Idee-des-Unendlichen-in-mir – oder meine Beziehung zu Gott – mir in der Konkretheit meiner Beziehung zum anderen Menschen zukommt, in der Sozialität, die meine Verantwortung für den Nächsten ist: Verantwortung, die ich in keiner ,Erfahrung‘ vertraglich eingegangen bin, aber zu der das Antlitz des Anderen, aufgrund seiner Anderheit, aufgrund eben seiner Fremdheit, das Gebot spricht, von dem man nicht weiß, woher es gekommen ist.

[…]

… so, als ob das Antlitz des anderen Menschen, das von vornherein mich verlangt und mir befiehlt, der Knoten ebenjener Verflochtenheit wäre, in der durch Gott die Idee Gottes und jede Idee überschritten wird, in der er noch gemeint, sichtbar und erkannt wäre, und in der das Unendliche durch die Thematisierung in der Gegenwart oder in der Vergegenwärtigung widerlegt würde.

[…]

Hingebung, die in ihrem Des-inter-esse gerade nicht ein Ziel verfehlt, sondern die – durch einen Gott, „der den Fremden liebt“ eher, als daß er sich zeigt – umgewendet wird hin zum anderen Menschen, für den ich verantwortlich zu sein habe. Verantwortung ohne Sorge um Gegenseitigkeit: ich habe für den Anderen verantwortlich zu sein, ohne mich um die Verantwortung des Anderen für mich zu kümmern. Beziehung ohne Wechselbeziehung oder Liebe zum Nächsten, die Liebe ohne Eros ist. Für-den-anderen-Menschen und dadurch Zu-Gott!«

Emmanuel Lévinas, Wenn Gott ins Denken einfällt, Seiten 18-20.

Geschlechtsidentität und Geist/Körper-Unterscheidung

Ich lese gerade ›Das Unbehagen der Geschlechter‹ von Judith Butler, um ihren Ansatz der Geschlechtsidentität und der relationalen Analyse besser zu verstehen. Neben vielen interessanten Gedanken stieß ich auf Seite 31 auf eine sehr interessante Beobachtung bezüglich des Zusammenhangs der Geist/Körper-Unterscheidung und der Geschlechter-Hierarchie:

»In der philosophischen Tradition, die mit Platon beginnt und sich mit Descartes, Husserl und Sartre fortsetzt, hat die ontologische Unterscheidung zwischen Seele (Bewusstsein, Geist) und Körper stets Beziehungen der politischen und psychischen Unterordnung und Hierarchie gestützt. Der Geist hat den Körper nicht nur unterworfen; bisweilen nährt er auch das Phantasma, seiner Verleiblichung insgesamt entfliehen zu können. Für die kulturelle Assoziation zwischen Geist-Männlichkeit und Körper-Weiblichkeit finden sich im Feld der Philosophie und des Feminismus zahlreiche Belege. Daher muss jede unkritische Reproduktion der Geist/Körper-Unterscheidung neu durchdacht werden: Sie hat traditionell und implizit die Geschlechter-Hierarchie produziert, aufrechterhalten und rational gerechtfertigt.«

Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Seite 31.

Tolerieren

Im Blog von Eva Schulz sah ich mir kürzlich ihre 8 Podcast-Empfehlungen an, und fasste den Entschluss die Folge des On Being Podcast von Krista Tippett mit Alain de Botton anzuhören.

Anfang 2012 las ich sein Buch ›Religion for Atheists‹ das ich hier auch erwähnt hatte. In meiner Erinnerung finden sich zwei Gedanken dazu, auf der einen Seite ein Staunen über seine positive Sicht des Einflusses der Religion auf ›gelingendes Leben‹, und auf der anderen Seite die Skepsis gegenüber seiner Adaption von Ritualen der Religion. Beispielsweise die Aufnahme der Predigt und des Gottesdienstes, die ich wesentlichen kritischer sehe.

Ich fand das Buch und was ich seither von Alain de Botton lese sehr inspirierend, und wollte daher auf jeden Fall das Gespräch mit Krista Tippett hören. Aus dem insgesamt sehr kurzweiligen Podcast blieb mir ein Gedanke hängen, den ich hier aufgreifen möchte.

Relativ gegen Ende kommen die Beiden auf Toleranz zu sprechen. De Botton spricht von tolerieren, da es auch hier vor Allem um eine Handlung geht. Er versteht tolerieren darin einer anderen Person Raum zu geben, und ihre Meinung nicht zu diskreditieren und eben nicht zu versuchen Sie umzustimmen. Den Gedanken des Raum gebens finde ich enorm wichtig. 

»Even though you don’t get what the other person is saying. Even though you don’t even like them, you make an effort to tolerate, in other words to make space for them, and don’t try and squash their opinions. What we’ll need to learn then, how can we live together with people, whose views we don’t actually like very much. That’s the far greater challenge. Without attempting to convert them, or dismissing them, and denying their right to exist parallel to us. It is really about the stranger. In Christianity there is a lot of time for the stranger. The stranger that you welcome into your home even though their beliefs may not be yours. Because wherever they come from they too were made by God. Now even if you don’t believe they were made by God, there is some very important message in there, it basically says we have a shared humanity even with people who don’t seem to tick the boxes that we put in place in terms of recognizing of what a good human is.«

Alain De Botton – A School of Life for Atheists. On Being, 10. Oktober 2013.

Mit allen Menschen teilen wir das Menschsein, und egal ob wir dieselbe Auffassung davon haben wie ›gutes Leben‹ aussieht, haben wir das selbe Recht zu leben. Leben ist dort möglich wo wir einander Raum geben, einander wahrnehmen, die Sichtweise unseres Gegenübers stehen lassen, und uns auf dialogische Weise begegnen.

Das liest sich schön weich, ist jedoch eine ziemliche Herausforderung. Da die Notwendigkeit einander Raum zu geben nicht nur für diejenigen gilt die wir kennen und mit denen wir einer Meinung sind, sondern gerade auch für jene, die eine andere Auffassung des Lebens haben, und die uns (vielleicht deshalb) fremd sind.

Pluralität und Freundschaft

»Selbst wenn ich ganz allein leben würde, so lebte ich doch ein Leben lang im Zustand der Pluralität. Ich muss mit mir selber zurechtkommen, und nirgendwo zeigt sich dieses Ich-mit-mir deutlicher als im abstrakten Denken, das immer ein Dialog in der Gespaltenheit, zwischen den Zweien-in-Einem ist. Der Philosoph, welcher der Grundbedingung der menschlichen Pluralität zu entkommen sucht und in die absolute Einsamkeit flieht, ist dieser jedem Menschen inhärenten Pluralität sogar noch radikaler ausgeliefert als ein anderer. Denn es ist ja das Gespräch mit anderen, das mich aus dem aufspaltenden Gespräch mit mir selbst herausreißt und mich wieder zu Einem macht – zu einem einzigen, einzigartigen Menschen, der nur mit einer Stimme spricht und von allen als ein einziger Mensch erkannt wird.«

— Hannah Arendt, Sokrates. Apologie der Pluralität, Seite 57.

Das tolle Buch ›Sokrates. Apologie der Pluralität‹ enthält den dritten Vortrag einer Vorlesung von Hannah Arendt zum Thema Philosophie und Politik, die sie 1954 an der Universität von Notre-Dame hielt. Für Sokrates war die Annahme grundlegend, dass nur die Person mit anderen zusammenleben kann, die es versteht mit sich selbst zu leben.

Wenn ich mit mir alleine bin, bekommen meine unterschiedlichen Gedanken Raum, meine eigene Pluralität wird erfahrbar. Die Begegnung mit anderen Personen bietet mir einen Ausweg aus meiner Gespaltenheit, da ich als ein Mensch wahrgenommen werde. Um einer anderen Person begegnen zu können ist es unabdingbar nicht grundsätzlich von mir selbst getrennt zu sein.

Das Wissen um die eigene Pluralität ermöglicht es dem Menschen das Gegenüber wahrzunehmen, und sich ihrer Sichtweise zu öffnen. Für Sokrates war klar, dass es nicht die eine Wahrheit geben konnte, sondern dass es so viele Weltsichten gibt wie Menschen auf dieser Welt leben. Alle diese Weltsichten zusammen bilden die menschliche Welt, in der die Menschen als Redende zusammenleben.

Durch seine Fragen wollte Sokrates zum Vorschein bringen, was seine Mitmenschen dachten, und ihnen dabei helfen die Wahrheit in ihrer Weltsicht zu finden. Diese Art des Gesprächs, die weder darauf aus war das Gegenüber zu erziehen, oder sie vom eigenen Standpunkt zu überzeugen, blieb oft ohne greifbares Ergebnis. Sie führte jedoch zu einer Begegnung der Personen, und dabei versuchte Sokrates aus den Bürgern Athens Freunde zu machen. Menschen, die einander Raum geben, statt im ständigen Wettstreit zu stehen.

Hannah Arendt bringt in diesem Zusammenhang die Nikomachische Ethik von Aristoteles ins Spiel. Demnach entsteht eine Gemeinschaft nicht aus Gleichen, sondern entwickelt sich gerade in der Angleichung der verschiedenen und ungleichen Menschen. Die Angleichung von Aristoteles ist jedoch nicht so zu verstehen, dass alle gleich werden, sondern vielmehr dass sie zu gleichwertige Partner in einer gemeinsamen Welt werden. Für Aristoteles besteht das einigende Band einer Gemeinschaft nicht in der Gerechtigkeit, sondern in der Freundschaft.

»Das politische Element der Freundschaft liegt darin, dass in einem wahrhaftigen Dialog jeder der Freunde die Wahrheit begreifen kann, die in der Meinung des anderen liegt. Der Freund begreift nicht so sehr den anderen als Person — er erkennt, auf welche besondere Weise die gemeinsame Welt dem anderen erscheint, der als Person ihm selbst immer ungleich und verschieden bleibt. Diese Art von Verständnis — die Fähigkeit, die Dinge vom Standpunkt des anderen aus zu sehen, wie wir es gern ein wenig trivial formulieren — ist die politische Einsicht par excellence

— Hannah Arendt, Sokrates. Apologie der Pluralität, Seite 53.

Zygmunt Bauman auf der re:publica 2015

Als ich davon las, dass Zygmunt Bauman auf der re:publica sprechen wird, überlegte ich ernsthaft meine Pläne zu ändern, und trotz allem nach Berlin zu fahren. Da ich dies nicht getan habe, freue ich mich umso mehr über das grandiose Team der re:publica, das in unglaublicher Geschwindigkeit hochwertige Videos der Vorträge veröffentlicht. Danke!

Zygmunt Bauman, re:publica 2015re:publica 2015 – Zygmunt Bauman: From Privacy to Publicity (YouTube)

From Privacy to Publicity: the changing mode of being-in-the-world ist der Titel des Vortrags, den Du Dir direkt hier ansehen kannst, und über den ich nun schreibe. Zygmunt Bauman schafft es darin die gesellschaftlichen Entwicklung auf eine Weise zu betrachten, die deutlich macht wie sehr sich ›offline‹ und ›online‹ bedingen.

Bauman geht davon aus, dass wir in einer Zwischenzeit leben. In dieser »Time of Interregnum« passen die Handlungsmuster der Vergangenheit nicht mehr, es sind jedoch auch noch keine neuen Wege erfunden, die besser passen würden oder den aktuellen Problemen angemessener wären. Die gesellschaftlichen Umwälzungen, die mit der allgegenwärtigen Verfügbarkeit digitaler Information einher gehen, wertet er deutlich stärker als die Erfindung des Buchdrucks bei Gutenberg.

Es ist uns heute nicht möglich zu sagen wie die Zukunft aussehen wird, aber Bauman ermutigt dazu, ganz genau zu schauen welche Konsequenzen aus den aktuellen technologischen Veränderungen unter der Oberfläche des Lebens entstehen. Einige Beobachtungen dieses aufmerksamen Lebens skizziert er im Vortrag.

Zunächst geht er darauf ein, dass mit der Individualisierung zwei schwerwiegende Ängste einher gehen, von denen uns die aktuelle Entwicklungen ablenken:

Die Angst alleine zu sein

Wir leben mit der konstanten Angst alleine zu sein. Dadurch verliert das Alleinsein an positivem Wert, wir verlassen die Privatheit der unfertigen Gedanken und Gefühle, die uns verletzlich machen, und begeben uns in die Öffentlichkeit.

Soziale Netzwerke begegnen dieser Angst, da wir bspw. auf Facebook nie alleine sind. Dort ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche jemand. Zu jeder Zeit ist es mir möglich eine Nachricht zu schreiben, und ab und an bekomme ich sogar direkt eine Antwort.

Die Angst unwichtig zu sein

Als sich Identität von einer Vorgabe zu einer Aufgabe wandelte, begann ein Ringen um Aufmerksamkeit. Ich will gesehen werden, und habe Angst davor unwichtig zu sein.

Im Internet werde ich gesehen. Wenn ich etwas veröffentliche kann es geteilt und ›geliked‹ werden, und ich sehe wie vielen Personen meinen Eintrag wahrgenommen haben. Ich muss nicht unsichtbar und unwichtig bleiben, sondern bin wichtig. Die Schwelle gesehen zu werden wurde durch das Internet sehr viel niedriger. Während man früher eine Verlegerin oder einen Sender brauchte, um seiner Stimme Gehör zu verschaffen, genügt es heute eines dieser Gadgets zu besitzen.

Einer Studie zufolge verbringt eine durchschnittliche Person 9 Stunde vor einem der Bildschirme. Und diese Zeit schenkt sofortige Befreiung von der Härte des Lebens. Wir können diesen Ängsten zwar nicht komplett entfliehen, aber zwischendurch vergessen können wir sie.

Das zweite Beobachtungspaar hängt mit Verflachung in unserer schnelllebigen Zeit zusammen.

Wir surfen durch das Internet

Mit hoher Geschwindigkeit bewegen wir uns im Netz. Wir surfen auf der Oberfläche und gehen nicht zu sehr in die Tiefe. Es gibt so viel Information und Angebote im Netz, dass ein zu langer Aufenthalt oder ein tieferes Eintauchen automatisch verpasste Chancen mit sich brächte.

An einem Tag werden im Internet mehr Informationen veröffentlicht als das menschenliche Gehirn aufnehmen kann. Wir können uns der Informationsfülle nicht komplett entziehen, aber es tut gut uns davon nicht zu sehr hetzen zu lassen.

Soziale Verbindungen werden schwächer

Es wurde schon viel über das brüchig werden sozialer Verbindungen geschrieben, Bauman weist darauf hin, dass die Zahl der Familien die sich regelmäßig zum Abendessen treffen in den letzten dreißig Jahren um 60% zurück gegangen ist. Genauso wie sich 42% weniger Personen regelmäßig in Vereinen einbringen. Gleichzeitig ist eine schnell wachsende Zahl neu entstehender Verbindungen in sozialen Netzwerken zu beobachten.

Bereits bei der Angst alleine zu sein, sprach Bauman über den Unterschied zwischen Gemeinschaft und Netzwerk. Die Gemeinschaft besitzt Dich, während Du Dein Netzwerk besitzt. Indem wir Personen zu unserem Netzwerk hinzufügen oder löschen, gestalten wir unser Netzwerk ständig selbst.

Zur Verdeutlichung, wie Verbindungen in sozialen Netzwerken aussehen, zieht Bauman Klatsch heran. Seiner Ansicht nach bewegt sich die Kommunikation in weiten Teilen auf dem Niveau von Klatsch über ›Celebrities‹, die dafür bekannt sind, dass sie bekannt sind.

Das Phänomen der ›Celebrities‹ passt sehr gut in unsere Zeit der flüchtigen Moderne, in der nichts von längerer Dauer ist. Celebrities ersetzten die Helden der Vergangenheit, sie sind nicht für die Ewigkeit, sondern für den Moment. Heute ist SIE in aller Munde und morgen reden wir über IHN … Celebrities fordern keine Hingabe, heute können wir mit allen über SIE reden, und morgen haben wir sie schon wieder vergessen.

Durch die Menge an Information befinden wir uns nach Bauman gerade nicht in einer Kultur des Lernens, sondern in einer Kuktur des Vergessens. Um die neue Information von heute aufzunehmen, muss ich die Information von gestern vergessen. Trotz der Kultur des Vergessens gibt es einiges was gespeichert wird, und das bringt uns zu seinem letzten Punkt:

Die Frage der digitalen Überwachung

Während in der Vision der Totalüberwachung von Michel Foucault klar zwischen Überwachern und Überwachten unterschieden werden konnte, finden wir uns mittlerweile in beiden Rollen wieder. Wir partizipieren freiwillig an der Überwachung von uns selbst, und sammeln fleißig alle möglichen Daten, die von den Geheimdiensten dann gespeichert und weiter verarbeitet werden.

Zusammenfassung

Zygmunt Baumann fasst seinen Vortrag in einer Warnung zusammen. Da wir in einer Zwischenzeit leben, die alten Rezepte funktionieren nicht mehr, neue wurden noch nicht erfunden, und keiner kann so genau sagen wohin die Reise gehen, müssen wir genau beobachten wie sich unser Leben und unsere Gesellschaft verändern.

Denen die vorgeben genau zu wissen wohin es geht, sollten wir keinen Glauben schenken, und auch nicht die Rolle des Planktons einnehmen, das von der Strömung hin und her getrieben wird, sondern versuchen uns selbst zu kontrollieren und uns selbst zu reflektieren.

Auch wenn einige Denker der Meinung sind, dass wir in der reflexiven Moderne leben, fordert Bauman uns auf mehr zu reflektieren, nicht einfach nur Dinge zu tun und nicht so sehr darüber nachzudenken, sondern genau zu beobachten und gründlich zu reflektieren.

Never look down on anybody

Stop! There beside you is another person. Meet him. Look at the Other’s face as he offers it to you. Through this face he shows you yourself.

Kester Brewin published a great article in the aftermath of the brutal attacks in Paris. In ›Satire Should Never Look Down: Thoughts on Engaging ‘The Other’ Post Charlie Hebdo‹ he is exploring what Emmanuel Levinas is saying about engaging the other and contrasts this with some spotlights from Slavoj Žižek.

What this means in practice is that engagement with those who are ‘other’ is a complex iterative process. Beginning with Levinas, we must take time to look into their eyes… but if we look deep enough, what we will see is not them, but what we look like to them… all in the hope that they are similarly engaged in this process of self-reflection too.

As we do this, we must learn to accept some ground rules. Firstly, this engagement is not about changing them. We do not come as colonists or patrons, not Pygmalion aristocrats trying to socialise others into our norms. Our first thought must be this: how do I look to this person? Do I look empathetic, loving or welcoming? Or do I look privileged, powerful and judgemental?

Secondly though, we do not come to this meeting of eyes with any illusion that either side is complete or coherent. Not only will others not understand me perfectly, they won’t even understand themselves perfectly—and this is equally true for me. I won’t be able to understand them perfectly, because neither do I completely understand myself.

This is perhaps why we cannot truly say ‘Je suis Charlie’: we neither know him, or ourselves, well enough.

Please do read the whole article here.

You will learn about four lessons Brewin takes away from mulling over engaging the other after this brutal attack, and find out what he is thinking about the role satire plays in these contexts.

The question he closes his article with, is a strong one, that sums up the challenge of engaging the other, and being able to live in harmony with others. Miroslav Volf poses it in Exclusion and Embrace:

What kind of selves do we need to be in order to live in harmony with others?

Präsent

»The only gift that truly qualifies as gift, Derrida says, is the gift of nothing, and this means fundamentally the gift of time: The only present is the present moment, the nothing, the no-space, the not-duration that does not exist as the future makes its way into the past.«

Peter J. Leithart, Derrida on Gift

Der Liebe willen lieben

»Love is its own why; love is for its own sake. It does not demand a further or external reason. When I do something for love of my spouse or child or friend, that is an expenditure made without expectation of return, even though we understand that in fact the circle of return is always there. The force of deconstruction in this context is to preserve the “madness” of the gift giving, the expenditure that is made madly on behalf of the other, and to delimit the rigorous—as in rigor mortis—rationality of cost accounting our lives. There is, there ought to be, something that we do in life that is not for a return but just because what we are doing is life itself, something a little mad. That is the gift.«

John D. Caputo, What Would Jesus Deconstruct?, Page 72f.

Liebe

Love
Foto: Love by (davide) (Creative Commons)

»Liebe ist eine Art und Weise, sich zu etwas in Beziehung zu setzen.« Mit diesem Satz beginnt Antje Schrupp ihren Artikel zu Liebe im »ABC des guten Lebens«. Etwas weiter unten schreibt sie dann:

»Jemanden oder etwas zu lieben ist keine Willensentscheidung. Eher ist es ein Einwilligen in eine Anziehung, der ich in gewisser Weise ausgeliefert bin. Liebe ist ein Ereignis, das zwischen mir und einer anderen Person oder einer Sache geschieht. Allerdings kann man die Liebe kultivieren, indem man mit ihr rechnet, sie als kulturelle Kraft pflegt und bestärkt.«

Quelle: Antje Schrupp, Liebe in ABC des guten Lebens.

Liebe führt nicht zum »Einswerden«, sondern achtet das was dazwischen ist, und verbindet uns trotz aller Differenz.

Der Artikel regt dazu an, Liebe aus dem privaten Raum der Zweierbeziehung zu befreien und weiter zu denken, als engagierte Beziehung zu jemandem oder etwas. Auf diese Weise ist sie auch hinsichtlich des Umgangs mit Feinden denkbar, und findet im weiteren – auch politischen – Raum statt.

Das gesamte Buch könnt ihr entweder auf Papier, im Internet oder mit eurem Kindle, iPad … lesen.

Judith Butler antwortet

Judith Butler, antwortet ihren Kritikern. Die ganze Antwort ist auf zeit.de nachzulesen, hier eine wichtige Aussage daraus:

Meine Auffassung ist, dass Juden und Palästinenser einen Weg finden müssen, unter gleichen Bedingungen zusammenzuleben. Wie so viele andere sehne auch ich mich nach einem wirklich demokratischen Gemeinwesen in jenem Flecken Erde, und ich befürworte die Grundsätze der Selbstbestimmung und des Zusammenlebens für beide Völker, ja für alle Völker. Und ich wünsche mir, zusammen mit einer wachsenden Zahl von Juden und Nichtjuden, dass die Besetzung ein Ende findet, dass Gewalttätigkeiten jeder Art eingestellt werden und dass die wesentlichen politischen Rechte aller Völker in der Region durch eine neue politische Struktur garantiert werden.

Quelle: Judith Butlers Antwort nach zeit.de