Lesezeichen Das Ungleichheitsvirus heißt Neoliberalismus

Auf die Frage »Ist Corona ein Ungleichheitsvirus?« von Pascal Beucker antwortet Christoph Butterwegge im taz-Interview:

»Nein, das eigentliche Ungleichheitsvirus ist der Neoliberalismus. Corona wirkt da nur als Katalysator. In der Pandemie hat sich die Ungleichheit aufgrund der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse und einer Politik verschärft, die den „Wirtschaftsstandort“ vergöttert, Interessen der Finanzinvestoren bedient und daher sozial polarisierend statt egalisierend wirkt. Das Kardinalproblem unserer Gesellschaft ist die bestehende Verteilungsschieflage.«

Das Ungleichheitsvirus heißt Neoliberalismus, taz vom 23.10.2020

Lesezeichen Hurra, es wird ein Kind

»Inzwischen hoffe ich, dass er mich irgendwann an die Hand nimmt und wir zusammen herausfinden, was wir aus den Erwartungen und Projektionen auf unser Geschlecht machen.«

Hannes Leitlein, Hurra es wird ein Kind

So ein guter Text von Hannes, in dem er die Ungleichbehandlung der Geschlechter anhand des Umgangs mit werdenden Eltern thematisiert.

Lesezeichen Dieses Land lügt sich selber an

»Der Mythos von der amerikanischen Größe dient dazu, unseren Blick abzulenken. Amerika versteckt sich hinter der Illusion seiner Unschuld, seiner sogenannten Größe. In Wirklichkeit sind seine Hände blutig. Dieses Land lügt sich selber an, um seine Sünde zu verstecken.«

»Dieses Land lügt sich selber an« – Ein Gespräch mit Eddie S. Glaude Jr., von Dorothea Hahn, in der taz am Wochenende, 10./11.10.20

Lesezeichen Das Problem heißt Lager

»Das Paradox, dass ausgerechnet Athen jetzt auf die Umverteilungsbremse drückt, zeigt: Das Problem heißt nicht Moria, es heißt Lager. Solange Menschen systematisch entrechtet werden, um andere abzuschrecken, ist mit punktuellen Aktionen keine Gerechtigkeit herstellbar.«

Christian Jakob, Das Problem heißt Lager

Lesezeichen Rechtsextremismus: Wenn es doch nur Chaoten wären

»Wenn es eine Lehre gibt, die man bisher aus dieser Zeit ziehen kann, dann vielleicht die: Man darf rechte Erzählungen nicht stark machen. Nein, die Linken bedrohen nicht die Grundrechte. Nein, es gibt keine verborgene Diktatur. Im Gegenteil, von so etwas träumen die Verschwörer und Rechtsextremen, die mit Hilfe weitverbreiteter Naivität ihnen gegenüber nicht nur Einfluss gewinnen, sondern auch mittlerweile viel Geld.«

Christian Bangel, Rechtsextremismus: Wenn es doch nur Chaoten wären.

Lesezeichen Eine Frage des Vertrauens

»Ich will nicht in einem Land leben, das seine Bevölkerung nicht beschützt und in dem man deshalb Misstrauen weitervererben muss. Ich will aber auch nicht gehen. Die Konsequenz ist, es irgendwie besser zu machen, besonders, wenn keine Zeit mehr bleibt. Ich habe Vertrauen verloren in das, was wir gerade sind. Ich muss auf das vertrauen, was wir sein werden – wenn wir wirklich nicht weitermachen wie bisher.«

Lin Hierse, Eine Frage des Vertrauens, taz.de

Lesezeichen Die unterschätzte Katastrophe

Sämtliche US-Präsidenten, Republikaner wie Demokraten, haben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Position vertreten, dass ein neuerlicher Einsatz von Atombomben unbedingt verhindert werden müsse. Dazu versuchten sie, neue internationale Mechanismen zu diesem Zweck zu schaffen. Präsident Donald Trump hingegen geht in die entgegengesetzte Richtung. Er ist aus zahlreichen internationalen Abkommen ausgetreten – darunter auch aus den für Atomwaffenkontrolle relevanten Verträgen.

Dorothea Hahn, Die unterschätzte Katastrophe

Lesezeichen Der etablierte Kampfbegriff

Sehr guter Beitrag von Peter Weissenburger zur Frage nach Identitätspolitik und klassisch linken Fragestellungen. Seiner Ansicht nach lassen sich diese Ansätze nicht trennen, weshalb er Teilhabe (nach Fraser) und das Konzept multipler Krisen als Möglichkeit darstellt diese Dimension zusammen zu denken.

»Ansätze wie Gender-Mainstreaming, kritisches Weißsein oder Queer-Theorie führen zum Nachdenken über Privilegien und zur Frage, wer spricht. Das ist aber nicht dasselbe wie ein Sprechverbot. Das zu behaupten, ist eher Selbstschutz, weil diese Fragen etwas Hässliches offenlegen, das nicht vom individuellen Selbstbild jeder*jedes Einzelnen zu trennen ist. Unbestreitbar gibt es jeweils verdaulichere und radikalere Auslegungen, ob nun von Antirassismus oder von Feminismus, queerer Politik oder Klassenkampf.«

Peter Weissenburger, Der etablierte Kampfbegriff

Lesezeichen Maut-Debakel von Andreas Scheuer – Ende der Schonzeit

» Schon Anfang des Jahres hatte Söder dem Verkehrsminister ein Ultimatum gestellt. Doch dann kam die Corona-Krise – und Scheuer schien gerettet zu sein. Seit Sonntag aber ist die Schonzeit offenbar vorbei. Für Insider ist klar: Der CSU-Chef werde wohl nicht zögern, Scheuer fallen zu lassen, wenn sich die Vorwürfe rund um die Pkw-Maut bewahrheiten.«

Maut-Debakel von Andreas Scheuer – Ende der Schonfrist