Likes «Ein mörderisches System»: Konstruierte Vergewaltigung, manipulierte Beweise

Ein erschütterndes Interview, das Daniel Ryser und Yves Bachmann für die REPUBLIK mit Nils Melzer, Uno-Sonderberichterstatter für Folter, über seine Untersuchungen im Fall von Wikileaks-Gründer Julian Assange, geführt haben.

«Dass es ein abgekartetes Spiel ist. Man möchte an Julian Assange mit einem Schau­prozess ein Exempel statuieren. Es geht um die Einschüchterung anderer Journalisten. Einschüchterung ist im Übrigen einer der Haupt­zwecke, für den Folter weltweit eingesetzt wird. Die Botschaft an uns alle ist: Das ist es, was mit euch passiert, wenn ihr das Modell Wikileaks kopiert. Ein Modell, das so gefährlich ist, weil es so einfach ist: Menschen, die an brisante Informationen ihrer Regierungen oder Firmen gelangt sind, übermitteln diese an Wikileaks, und der Whistle­blower bleibt dabei anonym. Wie bedrohlich das empfunden wird, zeigt sich an der Reaktion: Vier demokratische Staaten schliessen sich zusammen, USA, Ecuador, Schweden und Grossbritannien, um mit ihrer geballten Macht aus einem Mann ein Monster zu machen, damit man ihn nachher auf dem Scheiter­haufen verbrennen kann, ohne dass jemand aufschreit. Der Fall ist ein Riesen­skandal und die Bankrott­erklärung der westlichen Rechts­staatlichkeit. Wenn Julian Assange verurteilt wird, dann ist das ein Todes­urteil für die Pressefreiheit.»

«Ein mörderisches System»: Konstruierte Vergewaltigung, manipulierte Beweise – republik.ch

Likes Richard Rohr Reorders the Universe

«One of the benefits of Rohr’s work is its attempt at radical inclusivity. “Jesus without worship of Christ invariably becomes a time- and culture-bound religion, often ethnic or even implicitly racist, which excludes much of humanity from God’s embrace,” he writes. According to his teachings, you don’t have to follow Jesus or practice the tenets of any formal religion to come by salvation, you just have to “fall in love with the divine presence, under whatever name.”»

Eliza Griswold, Richard Rohr Reorders the Universe, The New Yorker.

Likes Ist es radikal, Jungen beizubringen, nicht zu vergewaltigen?

Bereits zur letzten Kolumne von Teresa Bücker hatte ich hier geschrieben wie gut ich sie generell finde, und diese Woche sieht es nicht anders aus.

Falls ihr es nicht sowieso schon getan habt, möchte ich ihre Kolumne unter der Frage Ist es radikal, Jungen beizubringen, nicht zu vergewaltigen? wärmstens empfehlen.

Neben der Anregung Jungs dabei zu unterstützen gute Partner zu werden, bietet sie einiges an Gedankenanstößen die eigene Sexualität und Rollenbilder zu überdenken. Teresa Bücker schreibt aus meiner Sicht direkt und im besten Sinne »Sex positiv«, für weniger Übergriffe und erfüllende Sexualität.

Likes Ist es radikal, alle Care-Arbeit selbst zu erledigen?

»Die gegenwärtige Organisation von Arbeit ermöglicht die Gleichstellung von Frauen und Männern nur unvollständig und hat den Männern in dieser gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation keine aktive Rolle zugewiesen. Solange Care-Arbeit nur delegiert wird, müssen Männer sich nicht verändern. Vielmehr laden sie einen kleinen Teil der Frauen ein, ihre Lebensweise nachzuahmen und ebenfalls die Hälfte der täglich anfallenden Arbeit zu verweigern und weiterzugeben. Doch die Menschen, die weniger angesehene Arbeit machen, werden in dem, was gemeinhin als Gleichberechtigung verstanden wird, schlicht vergessen – dabei werden sowohl Karrieren als auch Gleichberechtigung in der Wirtschaft erst von diesen Menschen ermöglicht.«

[…]

»Für einige Familien und Alleinstehende funktioniert der Alltag ohne Überlastung und Stress und auch ohne Hilfe von anderen. Wenn beispielsweise ein Paar jeweils in Teilzeit arbeitet, bleiben noch ausreichend Stunden übrig, um den Haushalt zu organisieren und Zeit mit den Kindern zu verbringen. Eine der entscheidenden Fragen für uns als Gesellschaft ist, wie viele Stunden täglicher Arbeit – egal ob Erwerbs- oder Care-Arbeit – wir als zumutbar für einen Menschen definieren und wie wir ermöglichen, dass die völlig freie Zeit gerechter verteilt wird.«

Teresa Bücker, Ist es radikal, alle Care-Arbeit selbst zu erledigen?

Likes Zugverkehr: Durchgehende Tickets fehlen

Die teuren Schnellzüge, die bei der Reisezeit mit dem Flugzeug konkurrieren sollen, sind national wie international meistens kaum länger als vier Stunden unterwegs. Wer mit der Bahn echte Langstrecken fährt, muss oft die Züge wechseln – und die Anschlüsse sind häufig schlecht. Außerdem verkauft jede Bahngesellschaft ihre eigenen Fahrkarten. Durchgehende Tickets gibt es kaum. Lange Bahnfahrten in Europa kosteten so schnell mehr als 500 Euro, sagt Kris de Decker.

Caspar Schwietering, Zugverkehr: Durchgehende Tickets fehlen

Likes Vom Weißsein sprechen

»Obwohl Weißsein eine kollektive Kategorie mit diffusen Konturen ist, fühlen sich nach meinen Erfahrungen Menschen, die auf ihr Weißsein angesprochen werden, meistens als Individuen herausgefordert. Und sie empfinden in diesem Moment eine für sie selbst schwer durchschaubare Melange aus Schuld, Furcht und Überlegenheit. Diese Gefühle zu ergründen, ist ein absolut notwendiger emanzipatorischer Prozess. Geistige Dekolonisierung ist eine langwierige emotionale Angelegenheit.

[…]

Für die Bekämpfung eines neuen weißen Faschismus müssen sich vor allem all jene verantwortlich fühlen, die ebenfalls mit einer historisch privilegierten Hautfarbe aufgewachsen sind. Vereinfacht gesagt: Wir dürfen das Weißsein nicht den White Supremacists überlassen. Und wir müssen vom Weißsein sprechen, damit es irgendwann nicht mehr nötig sein wird.«

Charlotte Wiedemann, Vom Weißsein sprechen (Le Monde Diplomatique)

Likes Wir sind alle Umweltsäue

Diese „Umweltsau“-Debatte steht pars pro toto für die Verhüllung des Kernproblems (Klimakrise), die strategische Instrumentalisierung und Beförderung dysfunktionaler Gesellschaftsgespräche durch Gegner von Klimapolitik und die deshalb drängende Lösung der gesellschaftlichen Kommunikationskrise.

Peter Unfried, Wir sind alle Umweltsäue

Likes „Habe ich Angst? Ja, aber nicht um mich“

»Wir befinden uns mitten in einer massiven Normverschiebung innerhalb unserer Demokratie, die nicht mehr dieselbe sein wird, wenn wir es geschehen lassen, dass Antisemitismus, Rassismus und Frauenhass immer weiter Raum gewinnen, wenn die digitale Meute angeführt von ihren intellektuellen Leithammeln Menschen zu Freiwild erklären kann, Treibjagden erst auf Twitter und Facebook und dann auf unseren Straßen angezettelt werden und den virtuellen Shitstorms reale Zerstörung von Lebenswirklichkeiten und Biographien folgt. Erst die Sprache, dann die Tat. Erst das Internet, dann die Straße. Erst der fiktive, dann der tatsächliche Mord. Das ist nicht Theorie. Das ist Realität in Deutschland am Ende der 2010er Jahre.

Jetzt gehen wir in die 2020er Jahre. Mit Feuerwerk und guten Vorsätzen. Der Blick 100 Jahre zurück sollte auch dazu gehören und ist mehr als eine Mahnung. Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne, schrieb der Sozialdemokrat Friedrich Kellner während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in sein Tagebuch. Heute erneut zuschauen, wie Menschen in unserem Land systematisch ausgegrenzt, angegriffen, innerlich und äußerlich verletzt werden? Das geht nicht. Empörung darf sich nicht in Ritualen erschöpfen und auf Betroffenheitsrhetorik im Salongespräch und in Medienstatements beschränken.

Wenn wir immer von der wehrhaften Demokratie reden, müssen wir – Bürger und demokratischer Staat – es endlich tun.«

Igor Levit, „Habe ich Angst? Ja, aber nicht um mich“