Likes Rassismus: Bedingungsloses Zuhören

Christian Bangel schreibt für ZEIT-Online es sei an der Zeit Personen ernstzunehmen, die Rassismus erfahren, ihnen bedingungslos zuzuhören, und dafür Sorge zu tragen, dass sie sich wieder – oder zum ersten Mal überhaupt – sicher fühlen können.

»Wir, die weißen Deutschen ohne Migrationsgeschichte, haben, egal von wo wir kommen, immer das Privileg eines unangreifbaren Dazugehörens. Selbst der rassistischste AfD-Wähler wird nie die Drohung erfahren, aus diesem Land ausgeschlossen zu werden. Immer werden Politiker der sogenannten Mitte sagen, man muss auch seine Sorgen anhören. Diese Sicherheit des Dazugehörens fehlt Deutschen nichtweißer Hautfarbe. Und wenn wir uns mit unseren Werten ernstnehmen, wenn wir also wollen, dass die Schönheit des ersten Satzes unserer Verfassung zugleich auch eine Wahrheit ist, dann schulden wir es ihnen, diese Sicherheit zu schaffen. Jetzt. Bedingungslos. Für immer.«

Christian Bangel, Rassismus: Bedingungsloses Zuhören

Likes Verfassungsschutz: Wir brauchen einen Masterplan gegen Rechtsextremismus

Auf ZEIT-Online fordern Farhad Dilmaghani, Matthias Quent und Stephan J. Kramer: Wir brauchen einen Masterplan gegen Rechtsextremismus.

»Gebetsmühlenartig wird nach jedem Anschlag wiederholt, dass nun eine Zäsur erfolgt. Wir plädieren stattdessen dafür, dass es einen gemeinsamen ressortübergreifenden föderalen Masterplan gegen Rechtsextremismus geben sollte unter Einbeziehung von Zivilgesellschaft und Wissenschaft, der kontinuierlich überprüft und verbessert wird. Entscheidend ist dabei auch der Blick darauf, in welchem rassistischen Gesellschaftsklima der Rechtsextremismus gedeiht. Das Wissen darum steht leider vielerorts am Anfang. Lasst uns gemeinsam aufklären und gegenhalten. Niemand wird geboren, um andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Religion, Kultur oder persönlichen Lebensplanung zu hassen. Menschen lernen zu hassen – und wenn sie Hass lernen können, dann kann man ihnen auch Nächstenliebe und Respekt für den oder die andere beibringen.«

Likes Kopenhagen radelt

Will man eine aktive Fortbewegung in der Stadt fördern, die zudem weniger Platz kostet als Autofahren – auch angesichts der steigenden Zahl von SUVs, die für viele Straßen viel zu groß sind –, muss man das genaue Gegenteil von dem anstreben, was sich seit den 1950er Jahren überall durchgesetzt hat: Man muss die Fortbewegung im Auto erschweren und die für Fußgänger und Radfahrer erleichtern.

„Man muss sich auf das Design konzentrieren“, sagt Colville-Andersen. Die Schönheit des Kopenhagener Netzes beruhe auf einem einfachen, einheitlichen und geschlossenen Infrastrukturkonzept. „Es gibt vier verschiedene Arten von Radwegen, die sich jeweils an der Geschwindigkeitsbegrenzung für die Autos orientieren. Dieses Modell ließe sich auf alle Straßen des Landes und jede Stadt der Welt anwenden.“

Kopenhagen radelt von Philippe Descamps

Likes «Faschisten sind nur dort an die Macht gekommen, wo Konservative ihnen die Plattform geboten haben»

«Die Faschisten sind dort, wo sie an die Macht gekommen sind, immer nur an die Macht gekommen, wenn die Konservativen ihnen dazu die Plattform geboten haben. Das war in Italien so. Das war in Deutschland so. Daraus resultiert eine besondere Verantwortung auch für Konservative, die Abgrenzung gegenüber faschistischen Bewegungen und Parteien klar vorzunehmen. Einen deutlichen und deutlich sichtbaren tiefen Graben zu ziehen, damit jeder weiss, wo die Grenzen für Konservative nach rechts aussen sind. Wenn man in Kauf nimmt, dass man eine Mehrheit für die eigene Politik nur mit Stimmen der AfD bekommen kann, und dann diesen Weg trotzdem geht, dann verwischt man diese Abgrenzung. Solche Manöver verwischen die Linie, die uns zu trennen hat, und leiten über zu einem wachsenden Einfluss rechtsextremer und faschistischer Kräfte, die aus solchen Hilfsdiensten Einfluss und Ansprüche ableiten.»

«Faschisten sind nur dort an die Macht gekommen, wo Konservative ihnen die Plattform geboten haben»

Likes Der Teufel an der Türe

»Vergangenheit ist nicht nur Hitlerdeutschland. Vergangenheit ist auch die Ära Kohl und Männer-CDU. Die AfD treibt die CDU in die Selbstzersetzung. Friedrich Merz und die Werteunion zersetzen mit. Unterdessen fürchten Minderheiten um ihre Sicherheit. Es ist nicht akzeptabel, Deutschland so weit unter seinem Niveau debattieren zu lassen, nur, weil man in Parlamenten plötzlich Antidemokraten sitzen hat, die in Talkshows allen Ernstes von Bolschewismus schwadronieren und Grundrechte als Machtpoker verstehen.«

Jagoda Marinić, Der Teufel an der Türe (taz.de)

Likes Modernisierungsstrategie

Statt „Ausländer raus“ sagt man jetzt: „Islamisierung stoppen“. Die Rechte hat damit die Anschlussfähigkeit an die Mitte der Gesellschaft gesucht und zum Teil auch gefunden. Wir wissen aus Studien, dass breite Teile der Bevölkerung dem Islam und Muslimen gegenüber ablehnende Einstellungen haben. Paradoxerweise äußern diese sich oft im Zusammenhang mit sozialer Mobilität nach oben.

„Eine besorgniserregende Zahl“ – Interview mit Migrationsforscherin Yasemin Shooman über Rassismus (Dinah Riese, taz.de)

Likes «Ein mörderisches System»: Konstruierte Vergewaltigung, manipulierte Beweise

Ein erschütterndes Interview, das Daniel Ryser und Yves Bachmann für die REPUBLIK mit Nils Melzer, Uno-Sonderberichterstatter für Folter, über seine Untersuchungen im Fall von Wikileaks-Gründer Julian Assange, geführt haben.

«Dass es ein abgekartetes Spiel ist. Man möchte an Julian Assange mit einem Schau­prozess ein Exempel statuieren. Es geht um die Einschüchterung anderer Journalisten. Einschüchterung ist im Übrigen einer der Haupt­zwecke, für den Folter weltweit eingesetzt wird. Die Botschaft an uns alle ist: Das ist es, was mit euch passiert, wenn ihr das Modell Wikileaks kopiert. Ein Modell, das so gefährlich ist, weil es so einfach ist: Menschen, die an brisante Informationen ihrer Regierungen oder Firmen gelangt sind, übermitteln diese an Wikileaks, und der Whistle­blower bleibt dabei anonym. Wie bedrohlich das empfunden wird, zeigt sich an der Reaktion: Vier demokratische Staaten schliessen sich zusammen, USA, Ecuador, Schweden und Grossbritannien, um mit ihrer geballten Macht aus einem Mann ein Monster zu machen, damit man ihn nachher auf dem Scheiter­haufen verbrennen kann, ohne dass jemand aufschreit. Der Fall ist ein Riesen­skandal und die Bankrott­erklärung der westlichen Rechts­staatlichkeit. Wenn Julian Assange verurteilt wird, dann ist das ein Todes­urteil für die Pressefreiheit.»

«Ein mörderisches System»: Konstruierte Vergewaltigung, manipulierte Beweise – republik.ch

Likes Richard Rohr Reorders the Universe

«One of the benefits of Rohr’s work is its attempt at radical inclusivity. “Jesus without worship of Christ invariably becomes a time- and culture-bound religion, often ethnic or even implicitly racist, which excludes much of humanity from God’s embrace,” he writes. According to his teachings, you don’t have to follow Jesus or practice the tenets of any formal religion to come by salvation, you just have to “fall in love with the divine presence, under whatever name.”»

Eliza Griswold, Richard Rohr Reorders the Universe, The New Yorker.

Likes Ist es radikal, Jungen beizubringen, nicht zu vergewaltigen?

Bereits zur letzten Kolumne von Teresa Bücker hatte ich hier geschrieben wie gut ich sie generell finde, und diese Woche sieht es nicht anders aus.

Falls ihr es nicht sowieso schon getan habt, möchte ich ihre Kolumne unter der Frage Ist es radikal, Jungen beizubringen, nicht zu vergewaltigen? wärmstens empfehlen.

Neben der Anregung Jungs dabei zu unterstützen gute Partner zu werden, bietet sie einiges an Gedankenanstößen die eigene Sexualität und Rollenbilder zu überdenken. Teresa Bücker schreibt aus meiner Sicht direkt und im besten Sinne »Sex positiv«, für weniger Übergriffe und erfüllende Sexualität.

Likes Ist es radikal, alle Care-Arbeit selbst zu erledigen?

»Die gegenwärtige Organisation von Arbeit ermöglicht die Gleichstellung von Frauen und Männern nur unvollständig und hat den Männern in dieser gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation keine aktive Rolle zugewiesen. Solange Care-Arbeit nur delegiert wird, müssen Männer sich nicht verändern. Vielmehr laden sie einen kleinen Teil der Frauen ein, ihre Lebensweise nachzuahmen und ebenfalls die Hälfte der täglich anfallenden Arbeit zu verweigern und weiterzugeben. Doch die Menschen, die weniger angesehene Arbeit machen, werden in dem, was gemeinhin als Gleichberechtigung verstanden wird, schlicht vergessen – dabei werden sowohl Karrieren als auch Gleichberechtigung in der Wirtschaft erst von diesen Menschen ermöglicht.«

[…]

»Für einige Familien und Alleinstehende funktioniert der Alltag ohne Überlastung und Stress und auch ohne Hilfe von anderen. Wenn beispielsweise ein Paar jeweils in Teilzeit arbeitet, bleiben noch ausreichend Stunden übrig, um den Haushalt zu organisieren und Zeit mit den Kindern zu verbringen. Eine der entscheidenden Fragen für uns als Gesellschaft ist, wie viele Stunden täglicher Arbeit – egal ob Erwerbs- oder Care-Arbeit – wir als zumutbar für einen Menschen definieren und wie wir ermöglichen, dass die völlig freie Zeit gerechter verteilt wird.«

Teresa Bücker, Ist es radikal, alle Care-Arbeit selbst zu erledigen?