Es wird dunkel im Abendland

»Das dickste Fell schützt die dünne Haut nicht vor Kälte die im Innern haust. Missgunst reißt gierig die Pupillen auf, brüllt so laut, dass sie ihrer Beute alle Sinne raubt. Hass der keine Gründe braucht sucht sich den schwächsten Feind, bis selbst die dünnste Haut wie eine Rüstung scheint. Doch was nützen die schönsten Metaphern, wenn’s die Dümmsten nicht raffen – es wird dunkel im Abendland.«

Yassin, Abendland

Abendland ist der dritte Track des kürzlich erschienen Soloalbums von Yassin. Das Video zu Abendland kannst Du hier auf YouTube ansehen.

laut.de lobt die Popqualitäten von YPSILON, in dessen Tracks Yassin gewohnt kritisch denkt, dies jedoch wesentlich weniger zynisch, sarkastisch und derb rüberkommt als in den bekannten Audio88-Yassin-Kollabos.

Einladen, ermutigen und inspirieren

»Man kann Kinder nicht erziehen, man kann sie nicht bilden, man kann nur Bedingungen schaffen, innerhalb deren das Kind diesen Selbstbildungsprozess, diesen Selbsterziehungsprozess als etwas versteht, das ihm selbst wichtig ist und an dem es selbst arbeitet. Kinder bauen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten durch einen eigenen konstruktiven Prozess im Gehirn auf. Dazu kann man sie nicht zwingen. Dazu kann man nur einladen, ermutigen und inspirieren.«

Gerald Hüther, in Katharina Saalfrank, Du bist ok, so wie du bist: Das Ende der Erziehung. Seite 215.

Bücher, die ich 2018 gelesen habe

Lesen ist immer noch der von mir bevorzugte Weg mich mit Themen zu beschäftigen. Im vergangenen Jahr habe ich diese 15 Bücher durchgelesen, und in jedem davon eine Menge Inspiration gefunden:

  1. Remy Sharp – Working the Command Line.
  2. Rachel Nabors – Animation at Work.
  3. Jesper Juul – Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie.
  4. Laura Kalbag – Accessibility for Everyone.
  5. Maria Montessori – Kinder sind anders.
  6. Jeremy Keith – Going Offline.
  7. Elaine N. Aron – Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen.
  8. Uta Reimann-Höhn – Ist unser Sohn hochsensibel? Hochsensibilität bei Jungen erkennen und verstehen.
  9. James Bridle – New Dark Age: Technology and the End of the Future.
  10. Ulrich Brand und Markus Wissen – Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus.
  11. Meredith Haaf – Streit! Eine Aufforderung.
  12. Hannah Arendt – Die Freiheit, frei zu sein.
  13. Mary Beard – Frauen & Macht.
  14. Susan Cain – Quiet: The Power of Introverts in a World That Can’t Stop Talking.
  15. Eveline Crone – Das pubertierende Gehirn: Wie Kinder erwachsen werden.

Danke an alle Autor_innen, die auf diese Weise Themen zugänglich machen.

Mein Jahr der Musik 2018

Auch 2018 habe ich wieder recht viel Musik gehört. Laut Spotify waren davon 48 Stunden allein von Dexter, und somit ist er in diesem Jahr auf Platz 1 meiner Künstler_innen-Charts.

Künstler_innen

  1. Dexter (1,084)
  2. Ecke Prenz (524)
  3. Janelle Monáe (432)
  4. Juse Ju (413)
  5. Dezmond Dez, Tommy Vercetti, CBN (282)
  6. mewithoutYou (227)
  7. Beastie Boys (222)
  8. Kendrick Lamar (207)
  9. Murs (192)
  10. Young Fathers (192)
  11. Loyle Carner (189)
  12. Aesop Rock (117)

Die Jüngste wünscht sich immer wieder das Album ›Haare nice, Socken fly‹ von Dexter, und erkannte es kürzlich während einer Autofahrt, obwohl sie gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt war. Bei Janelle Monáe singen die beiden mittleren Kinder direkt mit und ich erinnere mich mit dem Boi im Ferienhaus gewesen zu sein, und die Beats von Ecke Prenz genossen zu haben.

Alben

  1. Ecke Prenz – Nachts im Thälmann Park (524)
  2. Juse Ju – Shibuya Crossing (346)
  3. Janelle Monáe — Dirty Computer (338)
  4. Dexter — Haare nice, Socken fly (314)
  5. Dezmond Dez, Tommy Vercetti, CBN — Kaspar Melchior Balthasar (269)
  6. Murs — A Strange Journey Into The Unimaginable (188)
  7. Kendrick Lamar — Black Panther the Album Music From and Inspired By (186)
  8. Young Fathers — Cocoa Sugar (178)
  9. Loyle Carner — Yesterday’s Gone (176)
  10. mewithoutYou — (Untitled) (167)
  11. Suff Daddy — Baker’s Dozen: Suff Daddy (99)

Wie auch in den Jahren zuvor handelt es sich bei den Zahlen in Klammer um die Plays laut last.fm, und ein_e Künstler_in wird jeweils nur mit einem Album oder einem Stück gelistet.

Stücke

  1. Janelle Monáe — Make Me Feel (58)
  2. Ecke Prenz — Im Ernst (50)
  3. Juse Ju — Lovesongs (50)
  4. Jay Rock — King’s Dead (with Kendrick Lamar, Future & James Blake) (40)
  5. Dexter — Ich bin wavy (36)
  6. Dezmond Dez, Tommy Vercetti, CBN — Reis nach Rom (28)
  7. Young Fathers — See How (26)
  8. mewithoutYou — Another Head for Hydra (19)
  9. Loyle Carner — Swear (17)
  10. Murs — G Lollipops (17)
  11. Chefket — Sowieso (16)
  12. Beastie Boys – Root Down (15)

Spotify hat gemäß meiner Hörgewohnheiten eine Playlist mit den 100 Toptracks von 2018 erstellt. Diese Playlist habe ich in den letzten Tagen ab und an gehört, und ich finde, die lässt sich gut hören.

Was habt ihr 2018 so gehört?

Pedro The Lion – Yellow Bike

Pedro The Lion - YellowBikePedro The Lion, Yellow Bike – auf YouTube ansehen.

Heute wurde Yellow Bike von Pedro The Lion veröffentlicht. Pedro The Lion ist die Band von David Bazan, mit der er nach knapp 14 Jahren Solokarriere in diesem Jahr wieder angefangen hat auf Tour zu gehen und ein Album aufzunehmen. Das Video hat mich direkt gepackt. Die Musik verbindet sehr gut die Atmosphäre der alten Pedro The Lion Stücke mit dem was David in der Zwischenzeit veröffentlich hatte. Neben der Musik und dem nachdenklichen Text begeistert mich das Video durch die Anspielungen von David und seinem Sohn. Das neue Album erscheint am 18. Januar 2019.

Du kannst die Single auch auf Spotify anhören.

P.S.: Leider kannst Du die Videos nicht mehr bequem hier im Eintrag ansehen, sondern musst auf YouTube wechseln. Ein Klick auf das Bild oben genügt …

Frauen & Macht

»Frauen lassen sich nicht einfach in Strukturen einpassen, die von Männern mit männlichen Vorzeichen kodiert sind. Es geht darum, die Strukturen zu ändern. Das bedeutet, dass man die Macht neu denken muss. Man muss sie vom öffentlichen Prestige abkoppeln. Man muss über die Macht als etwas Gemeinschaftliches nachdenken nicht nur die Macht von Führern sehen, sondern auch die Macht derer, die ihnen folgen. Vor allem bedeutet es, Macht als ein Attribut, eine Zuschreibung oder ein Verb (»ermächtigen«) aufzufassen‚ nicht als einen Besitz. Was ich dabei im Sinn habe, ist die Fähigkeit, effektiv zu sein, etwas zu bewirken, etwas in der Welt zu verändern, und das Recht, ernst genommen zu werden‚ sowohl als Frauen insgesamt wie auch als Individuen. Es ist die so verstandene Macht, die viele Frauen nach ihrem eigenen Eindruck nicht haben — und die sie haben wollen.«

Mary Beard, Frauen & Macht, Seite 86.

Loyle Carner – Ottolenghi

Loyle Carner ist mit einer neuen Single zurück. Die entspannt verträumte Atmosphäre des Stücks wird wunderbar in dem fröhlich surrealen Video umgesetzt:

Loyle Carner, Video zum neuen Track OttolenghiLoyle Carner, Ottolenghi (Auf YouTube ansehen)

Ich freue mich auf ein neues Album von ihm.

Klimaschutz ist ein Luxusproblem

In den letzten Wochen las ich an unzähligen Stellen die Aussage beim Klimaschutz handle es sich um ein Luxusproblem. Anlässlich des Sonderberichts zur globalen Erwärmung des Weltklimarates und der Rolle der Grünen bei der Landtagswahl in Bayern war diese Aussagen an der Tagesordnung.

Einige benennen es klar: Um den Klimaschutz könne Mensch sich kümmern, wenn alle wichtigen Probleme gelöst seien. Für andere ist die Aussage an sich problematisch, sie handeln dennoch als sei sie wahr.

Bei jedem Mal wenn mir dieser Haltung begegnete wuchs die Unzufriedenheit. Ich wollte es in die Welt hinausschreien: KLIMASCHUTZ GEHT UNS ALLE AN, ER IST KEIN LUXUS- SONDERN EIN EXISTENZIELLES PROBLEM.

Im Nachklang einer Unterhaltung über den Konsum tierischer Erzeugnisse, erschien mir die Aussage zum Klimaschutz plötzlich schlüssig. Sie haben doch recht:

Klimaschutz ist ein Luxusproblem!

Weshalb grillen wir Fleisch, lieben den Braten oder feiern den Burger mit der Extraportion Fleisch?

Warum trinken wir Milch, essen die verschiedensten Sorten Käse und garnieren unsere Kuchen mit Sahne?

Weshalb setzen wir uns in ein Auto und füllen Innenstädte und Autobahnen?

Warum beleuchten wir die ganze Wohnung und heizen sie bis es im T-Shirt zu warm ist?

Weshalb fliegen wir an weit entfernte Orte um dort die Natur zu genießen, und warum vermitteln Passagierflugzeuge ein Gefühl von Freiheit?

Warum zücken wir bei jeder Gelegenheit das Smartphone, haben jede Menge elektronische Geräte andauernd im Standby und füllen Festplatten mit den Bildern all dieser Situationen?

Diese Fragen sind unvollständig, einfach so schnell aufgeschrieben. Aber sie betreffen mich. Indem ich meine Antworten darauf reflektiere stelle ich fest, dass mein Beitrag zum Klimaschutz ein Luxusproblem ist.

Welche Fragen stellst Du Dir?

Ermutigung

Seit Twitter die alte API abgeschaltet hat und damit Apps von Drittanbietern den direkten Zugriff auf Likes und Mentions untersagt, fehlt mir etwas Entscheidendes.

Zuerst dachte ich, dass mich die Änderungen nur am Rande betreffen. Tweets kann ich weiter lesen, wirklich am Puls der Zeit war ich dabei nie, und da sich Likes und Mentions in Grenzen hielten, dachte ich diese auch nicht mehr per Push erhalten zu müssen.

Nach einer Weile ohne, stelle ich aber fest, dass mir etwas entscheidendes fehlt: die Ermutigung. Ein Like, eine kurze Antwort oder ein Retweet sind für mich nämlich genau das. Eine Person hat die Äußerung gesehen und darauf reagiert. Erfahre ich nicht davon, fühlt es sich schnell an, als schreibe ich in einen leeren Raum hinein, und könnte es auch direkt lassen.

Objektifizierung

Seit einiger Zeit tue ich mich schwer damit, mich als ›Christ‹ zu verstehen. Weite Teile dessen, was sich unter diesem Begriff ereignet sind mir fremd – immer schon gewesen oder im Lauf der Zeit geworden.

Mir scheint die Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf hat damit wesentlich zu tun. Diana Butler Bass schreibt im Kapitel ›Dirt‹ ihres Buches Grounded über die Dynamik von Objektivizierung:

«When something becomes an object, it is much easier to use — or abuse – for one’s own purposes. Western religion, often afraid to lose the Creator-creation distinction, quickly baptized theologies that distanced God from the dirt and emphasized human lordship over the land.»

Diana Butler Bass, Grounded: Finding God in the World – A Spiritual Revolution.

Die daraus resultierende Abwertung des Objekts führt zu einer Vergeistlichung, die ihren Ausdruck in einer Betonung der Recht-Gläubigkeit findet, Menschen nach bestimmten Kriterien beurteilt und sich immer weiter von Mutter Erde und ihren Früchten entfernt.

Die Gedanken von Diana Butler Bass wecken in mir meine Vorliebe zum Panentheismus und der spirituellen Dimension allen Lebens, unabhängig von Bekenntnissen und Zugehörigkeiten. Vielleicht eröffnet mir die Lektüre ihres Buches eine neue Sicht auf Spiritualität, die mir diese wieder attraktiver erscheinen lässt.